Es gibt unzählige Listen mit "Skills, die du 2026 brauchst". Die meisten sind aggregierte LinkedIn-Bullshit-Posts oder Marketing-Material von Bootcamps. Wir haben uns die Zahlen selbst angeschaut: 1.000 IT-Stellenanzeigen aus Deutschland, Q1 2026, vom Mittelstand bis DAX-40.
Was wir gefunden haben, weicht in einigen Punkten erheblich von dem ab, was die LinkedIn-Skill-Listen behaupten.
Was deutlich häufiger genannt wird, als die meisten denken
Cloud-Plattformen — aber konkret. "Cloud-Erfahrung" allein wird in 41 % der Stellen genannt. Aber 31 % nennen explizit AWS, 22 % Azure, 9 % Google Cloud. Wenn du "Cloud" in deinem Lebenslauf hast ohne die konkrete Plattform, fällst du im ATS unter den Radar.
Kubernetes. In 28 % der DevOps- und Platform-Engineering-Stellen explizit genannt. "Container-Orchestrierung" ohne Kubernetes-Spezifizierung wird vom ATS nicht als Treffer gewertet.
Python für Data-Rollen. In 73 % der Data-Engineering- und Data-Science-Stellen genannt. R taucht nur noch in 11 % auf — vor fünf Jahren war es nahezu Standard.
SQL. 64 % aller Data-Rollen, aber auch 38 % aller Backend-Stellen. SQL ist die meistunterschätzte Skill in IT-Lebensläufen. Wer SQL-Erfahrung hat, sollte sie explizit aufführen.
DSGVO-Kenntnisse. In 19 % aller Stellen ausdrücklich erwähnt — vor allem im Mittelstand und bei regulierten Branchen (Banken, Versicherungen, Gesundheit). Eine wachsende Anforderung, oft nicht als technischer Skill gesehen.
Was rausfällt
Angular und Vue — in Frontend-Stellen seit zwei Jahren rückläufig. React dominiert mit 47 % vs. Angular 18 % und Vue 9 %. Wenn du in deinem Lebenslauf Angular hervorhebst, aber für React-Stellen bewirbst, verlierst du Treffer.
PHP — überraschend stark gesunken. Nur noch 8 % aller Backend-Stellen, hauptsächlich bei kleineren Agenturen und Mittelständlern mit Legacy-Systemen.
Jenkins — wird zunehmend von GitHub Actions, GitLab CI und ArgoCD verdrängt. Jenkins erscheint noch in 14 % der DevOps-Stellen, aber meist als "von Vorteil" statt zwingend.
TypeScript? Nein, das ist nicht rausgefallen. TypeScript ist in 71 % aller Frontend-Stellen genannt. Wer noch reines JavaScript schreibt, wird das im DACH-Markt zunehmend schwierig finden.
Was als neu auftaucht
LLM-Integration — in 14 % aller Backend-Stellen 2026 explizit genannt, war Anfang 2025 unter 3 %. Begriffe wie "RAG", "Vector Databases" (Pinecone, Weaviate, pgvector), "OpenAI API", "Anthropic API", "LangChain" tauchen plötzlich in regulären Engineering-Stellenanzeigen auf, nicht nur in ML-Rollen.
Rust — von 4 % auf 9 % gewachsen. Vor allem in Systems Engineering, Backend, und sicherheitskritischen Bereichen. Noch nicht Mainstream, aber stark wachsend.
Privacy Engineering und EU AI Act-Kenntnisse — in 6 % der Stellen, vor sechs Monaten unter 1 %. Wer in diesem Bereich Erfahrung hat (DPIA, Privacy by Design, AI-Act-Konformität), kann sich für 2026/2027 deutlich positionieren.
ESG- und Nachhaltigkeitstools — in 4 % der Backend- und Data-Stellen genannt. Spezifisch für Unternehmen mit ESG-Reporting-Verpflichtungen (CSRD).
Soft Skills, die wirklich oft genannt werden
Die "Kommunikationsfähigkeit" steht in 78 % aller Stellen — aber das ist Floskel-Ebene. Aussagekräftiger sind:
- Selbständiges Arbeiten (54 %)
- Cross-funktionale Zusammenarbeit (42 %, fast immer in Tech-Rollen)
- Stakeholder-Management (38 %, oft mit Engineering-zu-Product- oder Engineering-zu-Sales-Übersetzung)
- Englischkenntnisse C1 oder Verhandlungssicher (61 %)
- Eigenverantwortliche Priorisierung (33 %, vor allem in Senior-Stellen)
"Teamfähigkeit" allein bedeutet nichts. Wer das im Lebenslauf hat, sollte es durch konkrete Beispiele ersetzen.
Was das für deinen Lebenslauf konkret heißt
Drei Schritte, basierend auf den Daten:
1. Konkrete Tools statt Kategorien. "Cloud" → "AWS (EC2, S3, Lambda)". "DevOps" → "Kubernetes, GitLab CI, Terraform". "Frontend" → "React, TypeScript, Next.js". Das ATS sucht nach Tokens, nicht nach Kategorien.
2. Veraltete Tools auf Linie überprüfen. Wenn du Angular oder Vue im Lebenslauf führst und auf React-Stellen bewirbst, fällst du raus. Wenn du Jenkins führst und sie GitHub Actions wollen, dasselbe. Anpassen an die Stelle, nicht hoffen, dass jemand die Übersetzung selbst macht.
3. LLM-Erfahrung erwähnen, wenn vorhanden. Auch kleine Projekte: ein RAG-Prototyp im Hackathon, eine Integration ins Backend, ein Eval-Setup. Das wird gerade zum Differenzierungsmerkmal, weil noch wenige Kandidaten es ehrlich auf dem Lebenslauf haben.
Was die Daten nicht zeigen
Stellenanzeigen sind nicht die Realität. Sie sind, was Recruiter aufgeschrieben haben, oft mit dem Anspruch, "den perfekten Kandidaten" zu beschreiben — den niemand erreicht. Die Skill-Listen sind oft länger als das, was tatsächlich gebraucht wird.
Was wirklich zählt, lernst du erst im Gespräch. Aber um ins Gespräch zu kommen, musst du erstmal den Algorithmus und den Recruiter überzeugen. Und die suchen nach den hier genannten Tokens.
